Verlassene Orte entdecken mit Kristof Ven

,,Lost Places“ sind vergessene Orte und ein Stück Geschichte. Verlassene Fabrikgelände, Bahnhöfe, die schon lange kein Startpunkt einer Zugreise mehr sind, oder heruntergekommene Gebäude, bei denen man erst herausfinden muss, welche Bedeutung sie eigentlich einmal hatten – Orte, die einst eine Funktion erfüllten, heute aber leerstehende Ruinen sind. Den Belgier Kristof Ven faszinieren diese Gebäude, der Verfall der Gemäuer und die besondere Atmosphäre, die entsteht, wenn die Natur sich zurückholt, was Menschen erbaut und dann zurückgelassen haben.

Alles begann vor etwa acht Jahren, als Kristof mit seiner Spiegelreflexkamera im Gepäck das Château de Noisy besuchte. Das im zwanzigsten Jahrhundert als Sommerresidienz und Ferienwohnheim genutzte und seit den neunziger Jahren verlassene neogotische Schloss in Belgien ist unter Fans von Lost Places berühmt. Begeistert fotografiert Kristof die düsteren, geheimnisvollen Türme und Gemäuer des Schlosses. Anschließend lädt er die Bilder auf Facebook hoch und bekommt so positives Feedback, dass er sich mit alten Bekannten zusammenschließt, um noch mehr dieser urbanen Ruinen zu entdecken.

Was hat dazu geführt, dass diese Gebäude verlassen wurden? Wie sah es hier früher einmal aus? Wofür wurden diese Räume genutzt? Wer hat hier gelebt, was hat sich hier zugetragen? Was für eine Person ist früher mit diesem roten Auto gefahren, das jetzt keine Fensterscheiben mehr hat und in dessen Kofferraum sich Wurzeln ranken und Tiere eingenistet haben? Das sind Fragen, die sich Kristof immer wieder aufs Neue stellt, wenn er mit seiner Kamera durch Lost Places streift. Es geht ihm in seiner Fotografie um urbane Momente von Schönheit und Verfall, darum, einen Blick auf die Dinge zu werfen, die eigentlich aus dem Blickfeld der Menschen geraten sind. Seine Bilder erzählen dabei immer Geschichten. Keine Geschichten, die auserzählt sind, sondern diese richtig Guten, die, die Lücken lassen und so zu Fantasie und Neugier auf die Vergangenheit einladen.

,,In den letzten Jahren bin ich viel herumgereist, um spannende, verlassene Gebäude zu fotografieren. Ich war in Deutschland, Polen, Frankreich, Kroatien, Bosnien, Luxemburg und an vielen anderen Orten. Lost Places gibt es überall, wo einst Menschen waren, aber sie unterscheiden sich trotzdem sehr stark voneinander. Es wird nie langweilig für mich. Oft bin ich überrascht, was es für wunderschöne Gebäude gibt, für die sich heute niemand mehr interessiert, die einfach dem Verfall überlassen werden“, erzählt uns Kristof.

Besonders zufrieden ist Kristof mit seinem Foto von einer Wendeltreppe, auf die er bei einem seiner Streifzüge gestoßen ist. Wir betrachten das Bild und sehen eine authentische, alte Wendeltreppe mit einem geblümten, eleganten Geländer, die sich bis weit nach oben erstreckt. In der Mitte ragt eine modern anmutende Glasplatte nach oben. Kristof sagt: ,,Ich finde die Kombination aus geschwungenen und geraden Linien und den Kontrast von Alt und Neu in diesem Bild wirklich stark. Es ist immer ein Abenteuer Lost Places zu erkunden und ein großes Glück, dort so schöne urbane Motive zu finden.“

Stylist Fela über die Bilder von Kristof Ven: "Lost Places sind hip und strahlen urbanen Flair aus. Sie setzen besonders stark Akzente in einer eher schlichten und modernen Einrichtung."
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